Naturschutzgebiet Mainzer Sand

Der Mainzer Sand zählt zu den bedeutendsten Naturschutzgebieten in Europa. Es ist als FFH-Gebiet (FFH = Flora-Fauna-Habitat) und EU-Vogelschutzgebiet geschützt und gehört zum europäischen Naturerbe.

Der Mainzer Sand benötigt Ihre Hilfe. Unterstützen Sie den Aufruf zum Schutz des Mainzer Sandes und des Lennebergwaldes entweder online oder mit Ihrer Unterschrift. Bitte werben Sie auch bei Ihren Freunden und Bekannten für den Aufruf.

Aufgrund seiner klimatisch günstigen Lage und den kalkhaltigen Flugsanden konnte sich hier eine einzigartige Flora und Fauna erhalten. Es handelt sich um eine postglaziale Reliktflora mit Arten, deren Hauptverbreitung heute im osteuropäischen bis zentralasiatischen sowie im mediterranen Raum liegt.

Großräumig gehört der Mainzer Sand zum Rest eines Flugsandgebietes, das sich einst von Gau-Algesheim über Ingelheim und Mainz bis nach Darmstadt und Heidelberg erstreckte.
Die Entstehung der Sandflächen setzte vor etwa 18000 Jahren während der letzten Eiszeit ein. Damals führte der Rhein, der immer wieder sein Flußbett änderte, nur sehr wenig Wasser, da der größte Teil der Niederschläge in den Eis- und Schneemassen gebunden war. Während des kurzen, schneefreien Hochsommers, konnten dann nördliche und nordwestliche Winde die kalkreichen, feinkörnigen Sande aus dem Rheingraben verwehen und entweder flächig ausbreiten oder zu bis zu 10 m hohe Dünen aufbauen.
Nach dem Abschmelzen des Eises und dem Ende der Verwehungen vor etwa 11000 Jahren, entstand zunächst eine baumfreie ( Tundra- ) Vegetation. 

Die beginnende Erwärmung mit Sommerwärme und Trockenheit begünstigte die Einwanderung von Pflanzenarten, die aus den südrussischen Steppengebieten stammten und durch die ungarische Ebene zu den meist nur mit Kiefern bewachsenen Binnendünen des Mainzer Beckens gelangten.

Solche Steppenpflanzen, die hier die Westgrenze ihrer Verbreitung haben sind z.B.:  Adonisröschen, Federgräser, Sand-Lotwurz u.a.

 

Kiefernwald im Mainzer Sand in den 60er Jahren

Nach weiterer Erwärmung, etwa 2000 Jahre später, kamen durch das Rhône- und Rheintal Pflanzen- und Tierarten aus Südeuropa / Mittelmeergebiet hinzu.

Zu diesen submediterranen Arten, die hier oft die Nordgrenze ihrer Verbreitung haben gehören: Nadelröschen, Sonnenröschen, Faserschirm, Feld – Mannstreu u.a. 

Klimatische Veränderungen im Laufe der Zeit ( es wurde kühler und feuchter ) brachten ein Vordringen von
Bäumen mit sich, zuerst Eichen und später Buchen.

Die Steppen– und Sandpflanzen konnten nur dort überleben, wo kleinklimatisch Bedingungen herrschten, die eine Bewaldung begrenzten und wo ihre Konkurrenzkraft gegenüber den anderen Pflanzen gestärkt wurde. Ein solches Gebiet stellt das NSG Mainzer Sand dar, wo sich bei hohen Sommertemperaturen, Niederschlagsarmut und Durchlässigkeit der Kalkflugsande eine europaweit einzigartige Steppenvegetation entwickelte, wie wir sie noch heute in den Steppen Südrußlands finden.

                                                   
Übersichtsplan über einen großen Teil des Naturschutzgebietes 
(Karte Mainzer Naturwissenschaftliches Archiv Bd. 25 verändert)

1939 wurde dann eine 33,8 ha große Fläche des Großen Sandes als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

1997 kamen die ehemals militärisch genutzten Gebiete als Mainzer Sand Teil II hinzu. Im Rahmen dieser letzten Erweiterung wurde auch das Mombacher Oberfeld als Puffer- und Entwicklungsfläche des Mainzer  Sandes unter Naturschutz gestellt, womit sich die geschützten  Bereiche auf über 100 ha erstrecken.  Das Mombacher Oberfeld ist geprägt durch ein Mosaik aus landwirtschaftlichen Flächen und Brachen verschiedenster Stadien. Bereiche mit Streuobstwiesencharakter finden sich ebenso wie Flugsande.

Der Arbeitskreis Umwelt  hat eine Patenschaft für Teile des Mombacher Oberfeldes übernommen. In diesem Gebiet führen wir Pflegemaßnahmen durch, um die Biotopqualität zu erhalten oder zu steigern.

Auch in Einzelbereichen des Mainzer Sandes führen wir kleinräumige Pflegemaßnahmen an Standorten seltener Pflanzen aus, die speziell auf das entsprechende Biotop und die jeweiligen Pflanzen abgestimmt werden. Sie reichen vom Schutz vor Verbiss mittels Drahtkörben bis hin zum punktuellen Entfernen schatten– und laub werfender Bäume und Sträucher.

Die Einzigartigkeit des Mainzer Sandes muss erhalten bleiben. Deshalb setzen wir uns zusammen mit vielen Anderen für einen alternativen Ausbau der A 643 ein. Unsere Argumente wie wir Alle viel Geld sparen können und Menschen und Natur gleichzeitig profitieren finden Sie hier. Im Bündnis „Nix in den (Mainzer) Sand setzen“ kämpfen wir für einen sinnvollen und naturverträglichen Umbau der Autobahn.


Was Sie als Besucher des Naturschutzgebietes Mainzer Sand zum Erhalt dieses sensiblen Gebietes beitragen können:

  • Beachten Sie bitte die Hinweisschilder an den verschiedenen Eingängen.
  • Führen Sie ihre Hunde nur angeleint und auf den speziell ausgewiesenen Wegen.
  • Benutzen Sie nicht die illegal entstandenen Trampelpfade, sondern den Rundweg, von dem Sie ebenso die einzigartige Flora und  Fauna bewundern können. 
  • Nutzen Sie die angebotenen Führungen durch den Mainzer Sand, um Ihn noch besser kennen- und schätzen zu lernen.