Naturschutzgebiet

Mainzer Sand 

Feld-Mannstreu (Eryngium campestre L.)

 

Verbreitung, Vorkommen: Eryngium campestre gehört neben vielen anderen Arten (z.B. Salvia pratensis — Wiesen-Salbei ) zu den wärmezeitlichen Einwanderern in Mitteleuropa ‚ die aus dem orientalisch-mediterranen Raum kommen. Die eingewanderten Sippen, unter ihnen auch Feld-Mannstreu, bevölkern strauch- und baumarme Trockenrasen- und Steppengesellschaften, besonders auf basischen, kalkreichen Böden (z.B. die post-glacialen Kalkflugsanddünen des Mainzer Sandes). Vorgedrungen sind sie vom Süden her durch das Rhône- und Rheintal, durch das Donautal vom Osten, nördlich und südlich der Karparten und durch Ungarn mehr oder weniger weit in die warm-trockenen Binnenlandschaften Mitteleuropas. Feld-Mannstreu ist mancherorts in neuerer Zeit eingewandert und breitet sich noch entlang der Eisenbahnschienen und der Straßen aus. Allerdings vielfach nur vorübergehend, z.T. auch als Kulturflüchtling. Das heutige Vorkommen erstreckt sich im Osten vom Iran, Afghanistan zum Mittelmeergebiet bis nach Marokko und Portugal im Westen, hin nach Mitteleuropa mit der Nordwestgrenze in Süd-England, der Nordgrenze im norddeutschen Flachland (evtl. auch Dänemark) und im Nordosten das mittlere Russland.

Feld-Mannstreu wächst auf kargen Wiesen, Heiden, öden Feldern, an sandigen Böschungen und Wegrändern, an Bahndämmen, Weinbergsrändern, auf Trocken-und Halbtrockenrasen insgesamt bevorzugt es Sand- und Kalkböden.
 

Morphologie: Feld-Mannstreu ist eine ausdauernde, weißlich bis bläulichgrüne, bis zu 1 m hohe ‘distelartige‘ Pflanze (deutsche Namen u.a.: Laufdistel, Rolldistel, Raddistel) mit aufrechtem dickem flachrilligem Stängel. Dieser besitzt starre kurzgestielte oder sitzende, stachelig gezähnte oder gesägte Blätter, die in den oberen Sproßabschnitten mit dornig gezähnten Öhrchen den Stängel umfassen. Die Grundblätter junger,  noch nicht blühender Pflanzen sind ungeteilt, länglich; später, zur Blütezeit, lang gestielt, mit handförmig-fieder-schnittig bis doppelt-fiederspaltig geprägten Abschnitten am Rand. Die sperrig-ästige Pflanze bildet im Juli/August mit den Blütenständen einen halb kugeligen reichblütigen, köpfchenförmigen Busch.

Die endständige Trugdolde setzt sich aus 3-6 Strahlen zusammen, wobei die stark verlängerten Seitenstrahlen den endständigen Haupstrahl weit überragen und ihrerseits wiederum trugdoldig verästelt sind.

Die unscheinbaren Blüten sind am Grunde von einer Hülle stacheliger Hochblätter umgeben, die lineal bis lanzettlich, am Rande mehr oder weniger stachelig gezähnt, in einen stechenden Enddorn auslaufen. 

Ebenso verschmälern sich die lineal-förmlichen Spreublätter allmählich zu einemlangen Dorn. Die 5 stark reduzierten lanzettlichen Kelchblätter weisen eine dornige Stachelspitze auf. Sie sind damit doppelt so lang wie die weißlich bis grau-grünlichen,  etwas papillösen Kronblätter, die sich in ein gleich langes Läppchen verschmälern. Außerdem besitzen die zwittrigen, radiären Einzelblüten 5 Staubblätter, 2 Griffel und einen unterständigen zweifächerigen Fruchtknoten. Die Teilfrüchte weisen auf dem Rücken zahlreiche lanzettlich-spitze Schuppen auf, die Fugenfläche dagegen ist nackt, ein Karpophor fehlt. Die Fruchtstände dienen als Verbreitungseinheit (stark abgeleitetes Merkmal), in dem am Ende der Vegetationsperiode die oberirdischen Teile absterben; Früchte und Teilfrüchte mit den Samen fallen bei der Reife nicht ab. Die steifkugelförmigen Pflanzen brechen an der Basis ab, werden von den Herbstwinden erfasst und in rollende Bewegungen versetzt. Dabei verlieren die Fruchtstände allmählich Früchte und Teilfrüchte mit den Samen und verstreuen sich dadurch über größere Strecken. Aus diesem Grund werden Pflanzen dieses Anemochoren Verbreitungstyps auch als Steppenroller oder Steppenhexen bezeichnet, im Falle von Eryngium auch als ‘Laufdistel‘.

Feld-Mannstreu besitzt als Anpassung an trockene Standorte außer seinen starren, äquifazialen Blättern noch ein tief reichendes Wurzelsystem, das bis zu 2 m tief in den Boden dringt.

Name: Sowohl der schon im Altertum gebräuchliche Pflanzenname Eryngium als auch die deutschen Bezeichnungen Mannstreu, Männertreu erlauben hinsichtlich der Herkunft und Bedeutung ihres Namens verschiedene Interpretationen: Im Griechischen gibt es einmal den Bezug auf eryngion (THEOPHRAST) oder eryngos (NIKANDOS), was Ziegenbart, aufgrund des Aussehens der Wurzelfasern der Pflanze, bedeutet. Zum anderen wird die Verwendung als blähungstreibendes Mittel in den Vordergrund gestellt und die Bezeichnung von eryngano oder ereugomai (ich rülpse)abgeleitet. 

Der deutsche Name Mannstreu lässt ebenso mehrere Deutungen zu. So soll der Name eine ironische Aussage besitzen wegen des Hin- und Herlaufens der Fruchtstände oder aber von der angeblich aphrodisischen Wirkung des Eryngium campestre herrühren, die der Sage nach schon die Dichterin SAPPHO festgestellt hat. 

Weiterhin wurde zur Zeit der Kreuzzüge die Schlafstelle des abwesenden Kreuzritters mit in Leinen gefülltem Feld-Mannstreu ausgestattet, so dass der Platz neben der zurückbleibenden Frau/Gefährtin stachelig besetzt war und zur Treue mahnte.

Der Artname dagegen ist eindeutig: campester, —tris, —tre = auf Ackern, Feldern wachsend.

Literatur:

WOLF, J. (2001): Feld-Manstreu - Pflanze des Monats (Juli-September 2001), Naturhistorisches Museum Mainz